Preußische Baukunst

Wir haben bis hierhin schon eine Menge Aufwand betrieben, um die preußische Kappendecke in Haus 3 von Faßbachs zu erhalten. Unterm Strich ist es ja so ziemlich das einzige, was wir an dem Gebaudeteil erhalten konnten. An der Decke selbst haben wir bis hierhin noch nicht soviel getan. Das sollte sich nun ändern.

Kappendecke vor der Behandlung

Kappendecke vor der Behandlung

Bei unseren Recherchen wurde uns von vielen Seiten Sandstrahlen als die optimale Lösung empfohlen.

Also Kompressor, Becherstrahler und 2 Sack Strahlsand besorgt. Allerdings nicht ohne, dass ich mich etwas belesen hatte. Zum Beispiel sollte man keinen Quarzsand verwenden, da dessen Staub krebserregend ist und es wurde empfohlen, einen “ausreichend großen Kompressor” zu benutzen. Hätte ich noch etwas weiter gelesen, hätte ich sicher auch gefunden, dass ein Becherstrahler eher für kleine Flächen geeignet und dass unter “ausreichend groß” eher “richtig groß” zu verstehen ist… aber das erfuhr ich erst viel später.

So machte ich mich dann mit Atemschutz, Schutzbrille und Handschuhen bewaffnet an meine ersten Sandstrahlversuche.

erste Sandstrahlversuche

erste Sandstrahlversuche

Sah doch schon ganz gut aus, oder? Interessanterweise stellte ich fest, dass auch ohne Strahlsand, also nur mit Druckluft, Putz abgetragen werden konnte. Also pustete ich erst einmal im zukünftigen Gästebad den losen Putz von der Wand. Alles in allem eine mühsame Arbeit, da man permanent über dem Kopf arbeitet und es schon eine ganze Zeit dauerte.

Blown with the Wind - der Putz ließ sich mit Druckluft abblasen

Blown with the Wind – der Putz ließ sich mit Druckluft abblasen

Als ich ein paar Tage später in einem Gespräch mit unserem Tiefbauer Jörg Agnesen auf unsere Kappendecke zu sprechen kam, schaute er mich mit großen Augen an und fragte mich, wie lange ich die Decke denn bearbeiten wolle. (An vier halben Tagen hatte ich immerhin knapp 2/3 der ersten Hälfte geschafft .) Eigentlich hätte die Decke laut Jörg doch komplett nach 4 Stunden gestrahlt sein müssen. Ich übergehe mal ganz dezent den Ärger auf mich selbst… wenigstens kann man so einen Kompressor immer mal gebrauchen…

Kurzum: er lieh mir seinen Sandstrahler und einen dieselbetriebenen Baustellenkompressor aus. Nachdem ich dann 300 kg (12 Sack!) Strahlsand besorgt hatte, sah die Decke nach etwa 5 Stunden Sandstrahlen dann so aus:

noch fester Putz auf der gestrahlten Kappendecke

noch fester Putz auf der gestrahlten Kappendecke

deutliche Strukturen nach dem Sandstrahlen

Kappendecke am Treppenhaus

Kappendecke im Vorraum des Gäste-WC

gestrahlte Kappendecke im zukünftigen Gäste-WC

gestrahlte Kappendecke im zukünftigen Gäste-WC

Jeglicher loser Putz und Rost ist verschwunden. In dem Wohn-/ Schlafraum war der Putz noch recht fest, weshalb wir ihn bewusst nicht vollständig entfernt haben. Schließlich soll die Decke weitestgehend rund geputzt werden, wobei wir aber auch Stellen unverputzt lassen, damit man die Struktur der Kappendecke besser erkennen kann. Sie zeigt sehr deutlich, dass an vielen Stellen das Material verbaut wurde, das gerade verfügbar war. Also unterschiedliche Steine, Eisenbahnschienen in Haus 3 und Doppel-T-Träger in Haus 2. Dazu wurden die Steine liegend und nicht stehend eingebaut. (Dadurch benötigte man weniger Steinen…)

Stellt sich nur noch die Frage, wie wir die Decke zukünftig gestalten. Wir tendieren dazu, den nach kurzer Zeit wieder entstehenden Flugrost mit Klarlack zu konservieren. In Kombination mit quasi bewusst “ausgefallenen” (also freigelassen) Stellen im Putz dürfte der Charakter wieder gut zum Vorschein kommen. Was meint ihr? (Kommentare willkommen)

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